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GEBÄRDENSPRACHE IN EINER HÖRENDEN FAMILIE MIT DEM GEHÖRLOSEN KIND

2020-10-28
GEBÄRDENSPRACHE IN EINER HÖRENDEN FAMILIE MIT DEM GEHÖRLOSEN KIND

Das ist ein ziemlich kontroverses Thema, obwohl man den Eindruck haben könnte, dass sich in der diesbezüglichen Denkweise so langsam etwas ändert...

Es ist zunächst zu betonen, dass mit dem Einsatz einer Prothese beim schwerhörigen Kind, egal ob es sich dabei um ein Hörgerät oder Hörimplantat handelt, vor allem die ordnungsgemäße Entwicklung der verbalen Sprache und die Hörvorteile der Prothese angestrebt werden. Ein solches Gerät ist jedoch, wie der Name schon sagt, „lediglich“ eine Gehörprothese und trägt als solches nicht dazu bei, dass das Kind zu einem hörenden Kind wird und sein Gehörfehler für immer verschwindet. Warum gibt es also derartige Hemmungen, wenn es um die Kenntnisse und Anwendung der Gebärdensprache in solchen Familien geht?!

Der Mythos, dass durch Anwendung der Gebärdensprache bei schwerhörigen Kleinkindern die Entwicklung der verbalen Sprache gehemmt wird, wurde schon längst umgestoßen. 

Versuchen wir einen anderen Ansatz. Bei gleichzeitiger Anwendung der verbalen Sprache und der Gebärdensprache bei schwerhörigen Kindern können wir die Entwicklung der verbalen Sprache fördern. Und das ist nicht der einzige Vorteil. Ein gehörloses Kind mit dem Hörimplantat spricht beide Sprachen (verbale Sprache und Gebärdensprache) und ist für beide Welten offen. Heutzutage wird das Bewusstsein der Gesellschaft in Bezug auf unterschiedliche Behinderungen immer größer, es gibt einen Bedarf nach den Dolmetschern für die Gebärdensprache und das Leben gehörloser Kinder wird in dieser Hinsicht viel einfacher. Außerdem wird sich das Kind nicht verloren oder frustriert fühlen, wenn es sich plötzlich unter den gehörlosen Menschen findet und sich mit ihnen in ihrer Sprache nicht verständigen kann, obwohl es selbst auch gehörlos ist. Genauso frustriert wird es sich unter den hörenden Menschen fühlen, ohne seine Prozessoren dabei zu haben. Natürlich muss das nicht so sein. Jedes Kind ist ein Einzelfall. Bei hörenden Familien hat solches Kind möglicherweise überhaupt keinen Kontakt mit gehörlosen Menschen. Fremdsprachenkenntnisse sind aber immer von Vorteil. Warum haben wir in den Schulen obligatorischen Fremdsprachenunterricht, zum Beispiel Englischunterricht?! Wozu besuchen die Menschen freiwillig verschiedene, häufig sehr teure Fremdsprachenkurse (auch die Gebärdensprachenkurse)?!

Wenn sie das nicht überzeugend finden, denken Sie über die folgende Situation nach.

Ein Kind wird geboren und die Ergebnisse des Hörscreenings weichen von der Norm ab, weitere detaillierte ABR-Untersuchungen bestätigen einen tiefen Hörverlust und das einzige, was man unternehmen kann, ist das Einpflanzen eines Hörimplantats und/oder die Versorgung des Kindes mit Hörgeräten... Die zweite Lösung bereitet normalerweise keine größeren Schwierigkeiten, wobei chirurgisches Einpflanzen eines Hörimplantats schon deutlich komplizierter ist. Für die Qualifizierung und einen Operationstermin muss man jedoch länger warten. Anschließend erfolgt die Abnahme des Geräts, die ersten Einstellungen des Sprachprozessors und das Warten auf Gehörreaktionen. Wenn wir Glück haben und schnell genug handeln, sollte unser Kind das Hörimplantat so ungefähr zu seinem ersten Geburtstag erhalten... häufig geschieht das jedoch viel später. 

Dann steht uns jedoch trotzdem eine Menge Arbeit bevor, denn wir müssen die gesamten Hörerlebnisse unseres Kindes aus seinem ersten Lebensjahr nachholen. Wenn die gesunden, hörenden Kinder die ersten Vokabeln aussprechen und schon imstande sind, sich mit der Familie irgendwie zu verständigen, muss unser Kind lernen, die ersten Geräusche zu erkennen. Das ist ein langer und schwieriger Prozess. Bevor wir das Brabbeln und schließlich das erste Wort zu hören bekommen, können andere Kinder häufig schon einfache Sätze bauen (z.B. Mama essen)... Aber... 

Bevor diese gesunden, hörenden Kinder das Sprechen gelernt haben, haben sie im Laufe ihrer normalen, ordnungsgemäßen Entwicklung wegen der noch unvollkommenen Kommunikationsfertigkeiten... mit Gesten und durch Weinen kommuniziert. Genau, mit Gesten. Sie haben mit dem Finger auf den gewünschten Gegenstand gezeigt. Sie haben geweint, wenn sie ihre Mama aus den Augen verloren, eine nasse Windel hatten oder hungrig waren. Sie wedelten mit den Händen und verlangten danach, mit ihnen zu spielen, sie haben die Hände zum Klatschen gelegt, als sie sich über etwas freuten, sie zeigten mit dem Finger auf ihre Lieblingsspeise oder ihr Lieblingsspielzeug...

Das ist ein ganz normales Verhalten in der Entwicklung eines Kindes. So kommuniziert das Kind mit seiner Umgebung, noch bevor es die verbale Sprache beherrscht hat. 

Warum sollten wir unseren gehörlosen Kindern die Möglichkeit einer solchen Kommunikation nehmen, indem wir uns mit Händen und Füßen gegen die Gebärdensprache wehren? Durch Anwendung der sog. BABYZEICHEN können wir eine richtig erfolgreiche Kommunikation mit unserem Kind aufbauen, noch bevor es sein Hörimplantat oder Hörgerät erhält. Bei Babys reichen die Grundlagen der Gebärdensprache völlig aus, um ihm eine ordnungsgemäße und an sein Alter angepasste Kommunikation zu ermöglichen. Ist das nicht wunderbar, dass ein Kind, ohne das Bellen eines Hundes oder das Miauen einer Katze zu hören, und ohne zu wissen, wie das Tier heißt (denn es ist nicht imstande, das Wort HUND/KATZE zu hören), darauf mit dem Finger zeigen und gebärden kann, was es sieht? Und wir können ihm in gleicher Sprache antworten und so seine ordnungsgemäße Entwicklung zu fördern. 

Außerdem müssen wir auch daran denken, dass das Gerät mal ausfallen kann, dass wir möglicherweise die Batterien/den Akku nicht immer sofort austauschen können, oder dass uns unerwartet etwas anderes zustoßen kann. Das Leben ist ja unvorhersehbar, ähnlich wie die Verhaltensweisen von kleinen, neugierigen Kindern... Nehmen wir mal an, dass wir eine Woche lang warten müssen, bis das Gerät repariert ist... Wäre es in einem solchen Fall nicht besser, der aufkommenden Frustration wegen Kommunikationsmangel vorzubeugen und die Gebärdensprache zu kennen, um sich mit dem Kind verständigen zu können, wenn kein Geräusch seine Ohren erreichen kann...?

 

Sagen Sie uns Bescheid, was Sie denken und erzählen Sie von Ihrer Einstellung zur Gebärdensprache, wenn in einer hörenden Familie ein gehörloses Kind geboren wird.

 

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2020-10-05
Alles super.
2020-10-06
war mit der abwicklung zufrieden habe aber ware zurückgeschickt und geld zurückerhalten
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